
Hand aufs Herz: Schule bedeutet in vielen Familien auch Stress – und Eltern stehen vor der herausfordernden Aufgabe, ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen. Die erfahrene Schulexpertin und Coach für Eltern und Kinder, Lisa Reinheimer, setzt sich seit vielen Jahren mit der Frage auseinander, warum Schule in den meisten Familien zum Dauerbrennpunkt wird. Dabei spielen nicht nur fehlende Motivation der Kinder, sondern auch zu hohe Erwartungen der Eltern und die dauerhafte Belastung durch ständigen Leistungsdruck eine Rolle. Lisa Reinheimer hat innovatoive Ansätze dafür entwickelt, Kindern nicht nur zu mehr Selbstbewusstsein und besseren Noten zu verhelfen, sondern auch der ganzen Familie wieder mehr Lebensfreude und eine entspanntere, produktivere Haltung zu vermitteln. Gerade ist Lisa Reinheimers erstes Bich erschienen: Bye Bye Schulstress. Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Liebe Lisa, Du hast gerade dein erstes Buch veröffentlicht – Bye Bye Schulstress, das im Beltz Verlag erscheinen ist. Wir waren spontan begeistert von dem Buch. Was hat dich motiviert, dieses Buch zu schreiben?
Danke für euer Feedback! Das freut mich total!
In meiner Arbeit erlebe ich tagtäglich, wie viele Familien unter der Schule leiden. Schule bestimmt den Familienkalender und damit das Leben von so vielen Eltern und Kindern. Streit, Stress und Tränen wegen der Schule sind an der Tagesordnung und Familien fühlen sich ohnmächtig, wissen nicht mehr weiter.
Viele suchen die Lösung im System. Und ja, auch ich wäre vorne mit dabei, wenn es eine Bildungsevolution geben würde und hätte einige Ideen, wie wir das Schulsystem weiterentwickeln bzw. von Grund auf neu denken könnten, aber das hilft den Kindern, die heute hier und jetzt zur Schule gehen (und darunter leiden!), nicht weiter.
Deswegen habe ich ein Buch geschrieben, das sich auf das fokussiert, was wir Eltern in der Hand haben: nämlich die Art und Weise, wie wir Lernen zuhause begleiten.
Du warst selbst einmal Lehrerin – was hat dich bewogen, aus der Schule auszusteigen und Coach/Autorin zu werden?
Ich beobachtete täglich, wie Kinder am und im System scheitern und ihre einzigartigen, individuellen Persönlichkeiten brechen. Vor unmotivierten, frustrierten Teenagern zu stehen, die an alles glauben, nur nicht an sich selbst, brach mir das Herz. Ich bildete mich fort, suchte nach Strategien und Werkzeugen, wie ich sie stärken und ihnen das Lernen leichter machen kann. Und schnell wurde klar: es ist nicht die nächstbeste Lernstrategie, die den Unterschied macht, sondern unsere Haltung. Wie denken wir über Lernen, Leistung, Fehler und Schule? Und diese Haltung prägen vor allem die Eltern. Deswegen habe ich entschlossen, bei ihnen zu beginnen.
Glaubst Du, dass es allen Eltern und Kindern im Team gelingen kann, sich vom Schulstress zu verabschieden?
Ja und nein. Es wird im Laufe einer Schulzeit immer wieder zu herausfordernden Phasen kommen. Und wir Eltern können lernen, damit umzugehen: Motto: You can‘t stop the Waves from coming, but you can learn how to surf!

Kannst Du eine besonders schöne Erfahrung mit uns teilen, bei der Arbeit mit einem Kind, das weit entfernt davon war ein Klassenheld zu sein?
Puh – das ist schwierig mich für eine zu entscheiden, da wir tagtäglich mit Familien arbeiten und sie unglaubliche Prozesse durchlaufen. Erfahrungsberichte sind auf unserer Website nachzulesen (www.klassenheld.de).
Gerade neulich hatten wir eine Mutter, deren großer Sohn am Wochenende stets so viele Schulaufgaben nachzuholen hatte, dass regelmäßig das ganze Wochenende draufging. Sie wünschte sich so sehr, dass sie als Familie übers Wochenende Skifahren gehen könnten, ohne dass auf der Hin- und Rückfahrt für die Schule gelernt werden muss und ohne, dass die Merkwörter in ihrem Kopf ständig die Piste runterfuhren. Sie begann Anfang Januar die Zusammenarbeit mit mir und schickte mir vorgestern (Anfang Februar) ein Foto von sich auf der Skihütte mit dem Text: „Wochenplan easy erledigt. Alle happy und spontan losgefahren. Danke für alles schon jetzt!“
Wie ergeht es deinen eigenen Kindern in der Schule?
Meine Tochter hat noch ein paar wenige Jahre Zeit, bis sie zur Schule geht. Aber das Leistungsdenken hat mich auch schon in Krabbelgruppen und Kita aufgesucht: Wer macht schon erste Schritte? Wer noch nicht? Wer kann schon seinen Namen schreiben, wer noch nicht?
Was wünschst Du Dir am Meisten für die Schule der Zukunft?
Ich wünsche mir eine Schule der Zukunft, in der jedes Kind gesehen wird und Lehrkräfte wieder Zeit für das Wesentliche haben: weniger Bürokratie, mehr Begleitung der Kinder.
Eine Schule, die Vielfalt als Stärke versteht, individuelles Lernen ermöglicht und digitale Werkzeuge nutzt, um Menschen zu entlasten, nicht zu überfordern oder zu ersetzen. Schule sollte ein Ort sein, an dem Kinder gerne lernen und Lehrkräfte mit Freude wirken können. Ein erster Schritt: Defizitorientierung abschaffen.
Was wäre ein wichtiger Tipp, den Du allen Eltern von Schulkindern mit auf den Weg geben möchtest?
Connection before correction! Bevor ihr die Hausaufgaben eurer Kinder korrigiert, jeden gemachten Fehler wegradiert und dem Kind aufzeigt, was es noch alles üben muss und wo es sich noch verbessern muss – checkt bei eurem Kind ein, geht in Verbindung. Es geht in die Schule, um zu lernen und nicht um zu können!
Liebe Lisa, ich bedanke mich vielmals für das Interview und wünsche, dass das Buch viele Eltern erriecht und beitragende Prozesse in Gang setzt.
In diesem Artikel bekommst Du weitere Informationen zu dem neuen Buch von Lisa Reinheimer.